Hochspannung garantiert vor dem Finale des Bremer 6-Tage-Rennens
Patrick Sercu wusste es, die Frage kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Es schien fast, als habe Bremens Sportlicher Leiter darauf gewartet: „Herr Sercu, wer ist für Sie der Favorit beim Bremer 6-Tage-Rennen?" Der „Sechstage-Kaiser" lächelte verschmitz und entgegnete: „Das sage ich nicht. Wenn ich falsch liege, sagt ihr hinterher wieder, ich hätte keine Ahnung." Wenn einer Ahnung vom Sechstagegeschäft hat, dann Sercu.
Fakt ist: Nur vier Teams besitzen überhaupt noch Chancen auf den Gesamtsieg, vier Mannschaften, die zudem um die drei zu vergebenden Podestplätze kämpfen. Auf der „Pole-Position" liegen die Schweizer Bruno Risi und Franco Marvulli. Sie führen vor dem Finale mit 319 Punkten. Rundengleich mit dem hauchdünnen Rückstand von nur sieben Zählern folgt die Mannschaft Iljo Keisse/Robert Bartko auf dem zweiten Platz. Auf Rang drei, ebenfalls in der Nullrunde, liegt das niederländische Duo Leon van Bon/Danny Stam. Ein Blick auf den deutlich niedrigeren Punktestand allerdings macht klar, dass sie es nur über die Runden schaffen können.
Mit der Hypothek von einer Runde Rückstand geht Vorjahressieger Leif Lampater mit seinem Partner Christian Grasmann ins Rennen am Dienstagabend. Die beiden besitzen allerdings die Chance, in den Wettbewerben vor der finalen Jagd noch die restlichen Punkte zu sammeln, um über die Bonusrunde ebenfalls mit null Runden Rückstand ins Finale zu gehen. Bei derzeit 273 Zählern dürfte es ihnen aller Voraussicht nach gelingen, die 300er-Marke zu knacken. In den letzten Runden der Jagd werden zwar reichlich Punkte verteilt, aber keine Bonusrunden mehr gutgeschrieben.
Für Iljo Keisse steht fest: „Die Chancen stehen ‚fifty-fifty'. Bremen ist ein ganz wichtiges Rennen, da wird sich nichts, aber auch gar nichts geschenkt." Der Belgier rechnet am ehesten mit einem Zweikampf mit Risi/Marvulli, gibt aber zu bedenken: „Wenn wir zu sehr nur aufeinander achten, wäre das auch fatal, nachher freuen sich die Dritten." Einer der Drittplatzierten, Danny Stam, freut sich schon diebisch auf das Finale. „Du kennst mich doch schon seit Jahren, oder?" fragte Danny Stam am späten Montagabend. Und wartete die Antwort gar nicht erst ab. „Na also", sagte der „kleine Diesel, „dann weißt Du ja wohl auch, dass ich nie aufgebe und alles geben werde."
Bruno Risi war bislang fünfmal in Bremen siegreich. Franco Marvulli hat alle großen Sechstagerennen gewonnen - bis auf Bremen. „Ein Sieg hier würde meine Sammlung komplettieren. Wir haben fünf Nächte lang bewiesen, dass wir den Sieg verdient hätten am Ende. Aber drei andere Teams beanspruchen das genau so für sich. Ich respektiere ihre Leistung und werde sie keine Sekunde lang unterschätzen."








