Andreas Müller ist eine Art Lebenskünstler auf dem Rennrad
18.01.2010
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Andreas Müller

Auf seiner Internetpräsenz wird Andreas Müller als „der etwas andere Profisportler" beschrieben. Das stimmt. Andreas Müller ist anders, er ist besonders. Wer fährt schon mal eben mit einem Kumpel als Saisonvorbereitung mit dem Fahrrad von Berlin nach Moskau, und studiert neben dem Bahnradsport noch Politikwissenschaften? Es liegt ihm jedoch ganz und gar fern, sich für etwas Besonders zu halten. „Mülli ist cool", sagt Bruno Risi, „nicht weil er es sein will, sondern weil er es einfach ist. Er ist sicher eine der größten Persönlichkeiten im Bahnradsport."

Die Moskau-Tour war am Anfang eine Schnapsidee. Doch sie nahm Gestalt an. Im Frühjahr 2007 ging es los, rund 20 Kilogramm Gepäck auf den Mountainbikes, gepennt haben sie überwiegend im Zelt. 150 Kilometer pro Tag haben Müller und sein Freund Ronny Hartnick im Schnitt geschafft. „Das war schon sportlich orientiert", sagt Müller. Es hat sich herausgestellt, dass die Tour tatsächlich einen beträchtlichen Trainingseffekt hatte. Müller war bei den Rennen danach sehr erfolgreich. Wichtiger jedoch waren die Erfahrungen, die er gemacht hat. Die Fitness hält längst nicht so lange wie die Eindrücke von einem solch außergewöhnlichen Trip. „Für den Körper war das hartes Training, für den Kopf war es Urlaub. Man konnte wunderbar seine Gedanken ordnen."

Bis Minsk, der Hauptstadt Weißrusslands, brannte die Sonne vom Himmel. So stark, dass beide einen höllischen Sonnenbrand hatten. Als sie dort Sonnencreme kaufen wollten, mussten sie feststellen, dass es dort keine gibt. Das verwunderte sie, ebenso wie die Tatsache, dass man auf der Autobahn Radfahren konnte. Erst Recht, dass man von Weißrussland aus, keine E-Mails schreiben konnte. „Natürlich wusste ich, dass dort eine Diktatur herrscht. Aber dass es eine komplette Internet-Zensur gibt, war schon krass", erinnert sich Müller.

In Moskau hatte er früher einige Jahre gelebt. In der Wendezeit, 1988 bis 1991. „Eine spannende Zeit", sagt er. Noch spannender war es, die Veränderungen fast 20 Jahre später zu erleben. „Alles, was man über den russischen Turbokapitalismus hört, trifft zu. Auf der anderen Seite die pure Armut. Die Schere klafft da schon enorm weit auseinander."

 

 

 

Als er in Moskau wohnte, spielte der Radsport noch keine Rolle in seinem Leben. Erst zurück in Deutschland, mit 14, fing Andreas Müller mit dem Radrennen beim Berliner TSC an. Vorher hat er gekickt und Tischtennis gespielt. Auf dem Rad war er richtig gut, und von Beginn an einen Tick besser auf der Bahn als auf der Straße. Er wurde gefördert. Nach dem Abitur von der Bundeswehr. Deren Sportfördergruppen bieten auch Radfahrern beste Möglichkeiten. Für Müller war es zum Teil dennoch ein Albtraum. Noch am Tag vor der Grundausbildung sagte er zu seiner Freundin: „Ich geh' da nicht hin." Er gehörte da einfach nicht hin. Er ging doch, der Kopf besiegte das Bauchgefühl. „Ich glaube, ich war der einzige Pazifist dort."

Nach der Bundeswehrzeit fuhr er für das KED-Bianchi-Team in Berlin, ein ambitioniertes Amateurteam, das Bahnradspezialisten viele Freiheiten ließ. Müller wurde deutscher Meister im Punktefahren, er gehörte dem Bahnvierer des BDR an. Spätestens als es 2003 riesigen Krach um die Besetzung des Vierers gab und sich die BDR-Funktionäre einmal mehr als unflexible Betonköpfe erwiesen, hatte Müller keine Lust mehr. „Ich habe mich nicht mehr wohl gefühlt und das wirkt sich dann auch auf die Leistung aus."

Es reifte langsam aber sicher der Plan, sich zu verändern. Es dauerte zwar eine Weile, bis alle Formalien erledigt waren, aber seit Januar 2008 besitzt Müller neben der deutschen auch die österreichische Staatsbürgerschaft. In Österreich hat er seitdem so gut wie alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt auf der Bahn. Auch international war er 2009 höchst erfolgreich. Die WM-Bronzemedaille im Scratch trug er wochenlang in der Hosentasche mit sich herum, so stolz war er. Im Internet findet man auch die Meldung, dass Andreas Müller Europameister im Omnium sei. „Tja", sagt er belustigt und peinlich berührt zugleich, „das ist eine Fehlinformation. Aber das kann man dann nicht mehr stoppen und wenn ich es noch so oft dementiere."

Auf den Sechstagebahnen ist Andreas Müller Mittelmaß. Es stört ihn nicht, wenn man das feststellt. „Das ist ja objektiv so." Aber auf ewig zufrieden geben müsse man sich damit ja auch nicht. Irgendwann will er zumindest mal aufs Podium fahren. Bislang, so sagt er selbst, sei er ein „ehrlicher Arbeiter". Als solchen schätzt ihn auch Patrick Sercu. Müller hat seine Rolle im Sechstagezirkus. „Das ist wie im Leben. Entweder man nimmt sie an oder man zerbricht daran."

Andreas Müller ist Lebenskünstler, in Zeiten, in denen der Radsport in der Krise steckt, auch ein Überlebenskünstler. Seine Karriere als Profi organisiert er selbst, quasi als Ich-AG. Vom Trainingsplan über die Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Organisation der Mechaniker und den Reisen. Das sei zwar nicht so bequem, meint er, „aber man hat was fürs spätere Leben". Wie er sich das genau vorstellt, weiß er noch nicht. „Da plant man Jahre im Hinblick auf Olympia und dann streichen sie deine Disziplin. So ähnlich kann es dir auch im echten Leben gehen." Ein Kleinunternehmer sei er, die Einkünfte seien mal gut mal schlecht, mal gäbe es schlichtweg keine. Müller sagt das lächelnd. Bemerkenswert gelassen.
Er hat ein Fernstudium für Politikwissenschaften begonnen. Das Fach interessiert ihn auch heute noch brennend. Er liest gern das Radsportmagazin TOUR, aber eben auch den Spiegel, und Bücher, reichlich Bücher. Das Studium hat er letztendlich geschmissen, weil ihm der Austausch mit anderen Studenten fehlte, der Diskurs. Aber auch, weil er nach dem harten Training manchmal einfach eingeschlafen ist über seinen Büchern. „Ich habe Respekt vor denen, die das durchziehen, aber für mich war das nichts."

Fernreisen hingegen stehen immer auf dem Plan. Eine zweite führte ihn, diesmal mit fünf Kumpels, von Berlin nach Klaipeda in Litauen. Eher gemütlich. Knapp tausend Kilometer in zehn Tagen. Wieder war es eine Reise, bei der der Weg das Ziel war. Die nächste kommt bestimmt. Wohin die führt, er weiß es noch nicht. Er ist schon längst angekommen - bei sich selbst. Einfach cool.

 

Datum: 22.04.2010 23:53:58 Uhr

# Team RR Punkte
1 Marvulli & Risi 0 419
(Team Nehlsen)
2 Keisse & Bartko 0 411
(Team swb)
3 Grasmann & Lampater 2 329
(Team Radio Bremen)
4 Stam & van Bon 2 254
(Team Albert Voigt)
5 Müller & Beikirch 6 107
(Team Weser Kurier)
6 Mohs & Barth 8 228
(Team BM Invest)
7 Aeschbach & Marguet 8 206
(Team dentaltrade)
8 Kolesnikow & Schmidt 18 99
(Team Nordwest-Ticket)
9 Donadio & Hacecky 19 134
(Team Paul Mitchell)
10 Madsen & Hester 20 134
(Team Visit Hannover)
11 Blaha & Hochmann 23 81
(Team Friebel)
12 Bach & Siedler 29 96
(Team Tylö-Sauna)
RR = Runden Rückstand

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Sparda-Bank Hannover eG-Preis

Datum: 19.01.2010 22:07:13 Uhr

# Team Punkte
1.  Mohs & Barth (Team BM Invest) 10
2.  Marvulli & Risi (Team Nehlsen) 6
3.  Aeschbach & Marguet (Team dentaltrade) 5
4.  Bach & Siedler (Team Tylö-Sauna) 4
5.  Keisse & Bartko (Team swb) 4
6.  Madsen & Hester (Team Visit Hannover) 2
7.  Grasmann & Lampater (Team Radio Bremen) 0
8.  Donadio & Hacecky (Team Paul Mitchell) 0
9.  Stam & van Bon (Team Albert Voigt) 0
10.  Blaha & Hochmann (Team Friebel) 0
11.  Kolesnikow & Schmidt (Team Nordwest-Ticket) 0
12.  Müller & Beikirch (Team Weser Kurier) 0
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