6-Tage-Rennen planmäßig wieder aufgenommen
Handicap für Montag ist festgelegt
Sie fahren wieder. Das war die wichtigste Botschaft beim traditionellen Frühschoppen des 46. Bremer 6-Tage-Rennens am Sonntagmorgen. In der Nacht zuvor war Wasser durch ein Leck in der Dachkonstruktion der Bremen-Arena auf die Bahn getropft und hatte die Rennfahrer ausgebremst. Fieberhaft wurde daran gearbeitet, den Schaden zu beheben. Zunächst ohne Erfolg. Und dass obwohl gleich siebzig Arbeiter das rund 4000 Quadratmeter große Dach der Bremen-Arena vom Schnee befreiten und Spezialisten nach der Ursache des Wasserschadens suchten. Kurz nach Mitternacht entschloss sich Veranstalter Frank Minder dann die zweite Jagd des Abends abzusagen. „Die Gesundheit der Fahrer geht über alles", erklärte Minder, „und die war so nicht gewährleistet." Für die Rennen am Sonntag wurde eine große Plane über die Bahn gespannt, das Programm konnte planmäßig fortgesetzt werden.
Für die Gesundheit der Sechstagefahrer ist ansonsten erstmals Dr. Christian Swakowski als Bahnarzt verantwortlich. Er hat Dr. Peter Wendisch abgelöst, der 21 Jahre lang an der Bahn stand. Im „normalen" Leben ist der neue Bahnarzt Anästhesist und Notfallmediziner im Bremer DIAKO. „Doc" Wendisch hatte seinen Kollegen bereits vor einigen Jahren ins Boot geholt, Swakowski begleitete als „Doping-Arzt" die Kontrollen der UCI-Kommissäre. Sein Debüt an der Bahn findet er „total spannend" und es macht ihm gleichzeitig viel Spaß. „Es herrscht ein absolut angenehmes Klima im Team", sagt er. Viel habe er bislang noch nicht zu tun gehabt. „Aber das ist doch das Beste, was einem Bahnarzt passieren kann", so Swakowski.
Einige Fahrer wären bislang mit Erkältungskrankheiten oder Kopfschmerzen zu ihm gekommen. Iljo Keisse plagt sich mit Sitzproblemen herum, anderen wiederum schmerzt der der Ellbogen. Eine der häufigsten Maleschen der Sechstage-Fahrer, die sie Runde für Runde bei der Ablösung per Schleudergriff auf unangenehmste Art und Weise zu spüren bekommen.
Ansonsten hat Swakowski bislang hauptsächlich dafür zu sorgen, dass die Bahnsprecher und vor allem Veranstalter Frank Minder bei Stimme bleiben. Ganz klar, der Mann ist überqualifiziert. „Aber damit kann ich gut leben", sagt der neue „Doc" an der Bahn, „und ich hoffe im Interesse aller, dass es so bleibt."
Die erste Jagd des Sonntags gewann überraschend das Team Eric Mohs/Marcel Barth. Sechs Teams waren noch in der Nullrunde, darunter alle Favoritenpaare. Doch der kleine Eric Mohs war einmal mehr der Größte, besser gesagt der Schnellste. Nach einem fulminanten Schlussspurt des besten Sprinters im Fahrerfeld feierten Mohs und Barth den ersten gemeinsamen Sieg in einer Jagd des Bremer 6-Tage-Rennens.
Alter schützt vor Schnelligkeit nicht. So könnte man das Ergebnis der zweiten Jagd des Sonntags überschreiben. Leon van Bon und Danny Stam, beide immerhin schon 37 Jahre alt, setzten sich gegen die Paarung Alexander Aeschbach/Tristan Marguet durch und übernahmen auch die Führung in der Gesamtwertung nach dem vierten Renntag. Mit ein bisschen Glück allerdings, denn erst durch den Sieg in der Jagd schafften sie auf den Zähler genau die Marke von 200 Punkten und bekamen dadurch eine Bonusrunde gut geschrieben.
Kurz nach dem Ende der Rennen am Sonntag verkündete der Sportliche Leiter Patrick Sercu die Vorgaben für das Handicap-Rennen am Montag. Die Teams gehen dabei mit einem von Sercu festgelegten Handicap, sprich Rundenrückstand, in die beiden Jagden des Abends. Lediglich das Schlusslicht des Fahrerfeldes startet dabei in der Nullrunde. Um den vom Bahnchef auferlegten Rundenrückstand wieder gut zu machen, haben die Mannschaften Zeit bis zum Ende der zweiten Jagd. Sercu brummte den Topfavoriten Risi/Marvulli sowie Keisse/Bartko jeweils sechs Runden auf, die derzeit Führenden van Bon/Stam hingegen gehen „nur" mit dem Handicap von fünf Runden Rückstand ins Rennen. „Das Handicap-Rennen ist zwar keine Weltneuheit, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass es super ankommt beim Publikum. Die Spitzenteams müssen schon richtig Gas geben", so Veranstalter Frank Minder. Für knisternde Spannung am späten Montagabend ist auf jeden Fall gesorgt.
Mannschaft Handicap
Bruno Risi/Franco Marvulli 6 Runden
Iljo Keisse/Robert Bartko 6 Runden
Leon van Bon/Danny Stam 5 Runden
Leif Lampater/Christian Grasmann 5 Runden
Eric Mohs/Marcel Barth 4 Runden
Andreas Müller/Andreas Beikirch 4 Runden
Alexander Aeschbach/Tristan Marguet 4 Runden
Jens-Erik Madsen/Marc Hester 3 Runden
Sergej Kolesnikov/Alexej Schmidt 3 Runden
Sebastian Donadio/Voitech Hacecky 2 Runden
Martin Blaha/Jiri Hochmann 1 Runde
Sebastian Siedler/Christian Bach 0 Runden








