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| Bruno Risi |
Eine große Karriere geht langsam aber sicher zu Ende. Bruno Risi startet zum letzten Mal beim Bremer Sechstagerennen. Der 41 Jahre alte Schweizer hat in Bremen nicht nur fünfmal gewonnen, er hat vor allem auch die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert. Im Interview verrät Risi, was er nach der aktiven Karriere vorhat und blickt zurück auf zwanzig äußerst erfolgreiche Jahre als Radprofi.
Bruno, Du bist vor wenigen Tagen mit Franco Marvulli Zweiter in Rotterdam geworden. Wie fühlt sich das an?
Bruno Risi: „Na ja, ich bin zum vierten Mal Zweiter dort geworden. Man muss erstmal Zweiter werden in solch einem guten Fahrerfeld. Deshalb bin ich zufrieden. Andererseits ist Rotterdam das einzige große Sechstagerennen, das ich nicht gewinnen konnte. Und das ist schon ein wenig ärgerlich."
Wie ist das Rennen gelaufen?
Bruno Risi: „Franco und ich waren von Beginn an gut dabei. Dann gab es sogar einen Sturz, in den die späteren Sieger Iljo Keisse und Danny Stam verwickelt waren. Aber trotz Dannys Rippenprellung sind die beiden immer besser in Fahrt gekommen. Im Finale lagen wir in einer Runde. Ich bin am Ende den Sprint gegen Iljo gefahren und ich kann nur neidlos anerkennen, dass er an dem Tag der Bessere war."
Bremen hast Du schon fünfmal gewonnen ...
Bruno Risi: „... und es wäre super, wenn wir in meinem letzten Rennen noch mal ganz oben auf dem Podium stehen könnten. Zumal es für Franco der erste Sieg in Bremen wäre. Abschied hin, Abschied her: Ich will gewinnen. Auch weil Bremen für mich eines der schönsten Sechstage-Rennen ist."
Wie oft denkst Du jetzt schon daran, dass Du bald ein ganz anders Leben führen wirst?
Bruno Risi: „Oft, gerade beim Training. Ich trainiere ja meistens alleine und da hat man während der vier bis sechs Stunden schon viel Zeit, sich seine Gedanken zu machen. Man kommt ins Philosophieren, man überlegt intensiv, was man nach der aktiven Karriere machen könnte."
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| Bruno_Risi_li_Franco_Marvulli |
Was denn zum Beispiel?
Bruno Risi: „Ich habe einige Optionen. Mehrere kleinere Sachen, aber auch einen Fulltime-Job.
Nämlich?
Bruno Risi: „Ich könnte bei einer Bank in der Schweiz anfangen. Zunächst im PR-Bereich arbeiten, Kundenevents und so etwas. Aber man hat mir dort auch eine Ausbildung angeboten. Eine klassische Banker-Ausbildung wäre möglich, aber auch etwas in Richtung Management oder Marketing."
Und Du hättest dann gar nichts mehr mit dem Radsport zu tun?
Bruno Risi: „Radfahren werde ich immer. Außerdem gibt es Angebote vom Schweizer Radsportverband. Dort könnte ich in der Jugendförderung arbeiten. Aus Zürich kamen deutliche Signale, dass sie mich dort gern als Sportlichen Leiter hätten."
Und Bremen?
Bruno Risi: „Klar, auch das wäre denkbar. Ich kenne den Sechstage-Sport aus dem FF. Es ist vielleicht vergleichbar mit dem Weg von Partrick Sercu, der auch bald nach der aktiven Karriere als Sportlicher Leiter angefangen hat. Aber zunächst einmal will ich es etwas ruhiger angehen lassen. Ein bisschen Abstand gewinnen und so viel Zeit wie möglich mit der Familie verbringen. Im Sommer möchte ich mir einen einen Traum erfüllen: Fünf Wochen mit dem Camper durch Kanada."
Was wirst Du am ehesten vermissen nach der aktiven Karriere?
Bruno Risi: „Die Kumpels, die Freunde, die man im Laufe der Jahre gewonnen hat. Aber auch das fantastische Feedback von den Fans. Ich habe mich immer auch als Entertainer gesehen und versucht, dem Publikum etwas Spezielles zu bieten. Ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen. Dann bekommst Du eben auch eine Menge zurück. Gerade letzte Woche habe ich von der Hallenmanagerin in Rotterdam ein sehr schönes Kompliment bekommen. Sie sagte, bei mir würde man immer noch spüren, mit welcher Leidenschaft und Freude ich meinem Beruf nachgehe. Ich kann schon sagen, es war nicht nur mein Beruf, sondern meine Berufung."
Auf was kannst Du gut verzichten?
Bruno Risi: „Ich habe genug von der Quälerei. Der Radsport kann schon eine Marter sein, das werde ich sicherlich nicht vermissen."
Ein Rücktritt vom Rücktritt steht bei Dir also nicht zu befürchten?
Bruno Risi: „Nein. Das ist kein Thema. Ich höre nicht auf, weil es nicht mehr geht, sondern weil irgendwann einmal Schluss sein muss. In Topform abzutreten, wenn man noch um den Sieg mitfahren kann, das ist doch das Beste, was man machen kann. Ich habe alles gesehen, letztendlich kann ich sagen: Mir fehlt nichts, wenn ich jetzt aufhöre."
Hast Du noch Erinnerungen an Dein erstes Profi-Sechstagerennen?
Bruno Risi: „Oh ja, das war ein Dreitagerennen in Wien. Kurt Betschart und ich hatten super trainiert und sind am ersten Tag ein tolles Rennen gefahren. Da dachten wir schon: Wow, läuft ja wie geschmiert. Aber am zweiten Tag haben uns die alten Hasen dann die Hinterräder gezeigt."
Und das erste Mal in Bremen?
Bruno Risi: „Als Amateur bin ich hier 1991 gefahren, als Profi dann im Jahr danach. Es war schon ein wahnsinniges Erlebnis. So etwas hatte ich bis dahin nicht erlebt. Bremen ist wirklich speziell. Es ist diese ganz besondere Mischung aus Sport und Volksfest."
Was war das Highlight Deiner Karriere?
Bruno Risi: „Es gab Höhen und Tiefen. Ich habe sie vor allem auch bei Olympischen Spielen erlebt. Meistens ging da gar nichts. 1999 und 2001 war ich Weltmeister im Punktefahren. Bei den Spielen in Sydney 2000 war ich 13. Das war schon brutal. Ich weiß nicht genau, woran es lag, vielleicht habe ich mir selbst zu viel Druck gemacht. 2004 in Athen habe ich dann mit Franco die Silbermedaille im Madison geholt. Das zählt sicher zu den schönsten Momenten meiner Karriere."
Du hast es nicht so gesehen, dass der Zweite der erste Verlierer ist?
Bruno Risi: „Es war ganz merkwürdig. Erst war große Freude. Dann habe ich das Rennen analysiert und mich geärgert über Platz zwei, weil einfach mehr drin war. Als ich aber dann die Begeisterung in meiner Heimat erlebt habe - ich war der erste olympische Medaillengewinner aus dem Kanton Uri - da war nur noch Stolz und Freude und die Farbe der Medaille war mir egal.
Warum hat es mit der Kariere als Straßenfahrer nicht geklappt?
Bruno Risi: „Ich bin ja zum Beginn meiner Laufbahn viel auf der Straße gefahren. Ich habe viermal die Tour de Suisse bestritten, zweimal den Giro. Leider bin ich in Italien nie am Ziel angekommen. Einmal bin ich gestürzt und einmal war ich nach zehn Tagen mausetot, dass sie mich an jedem Bahnübergang abgehängt haben. Das Problem war, dass ich keine Zeit bekommen hatte, mich zu entwickeln. Auf der Straße brauchst Du als junger Rennfahrer mindestens zwei Jahre. Aber mein Team wollte, dass ich von Beginn an Siege einfahre, und dass gegen Supersprinter wie Mario Cipollini. Als ich gemerkt hab, dass ich nicht ganz vorne landen kann, habe ich mich anders orientiert. Der Bahnradsport, speziell die Sechstage-Rennen, war schon in der Jugend meine große Leidenschaft.
Du giltst als der „Chef auf der Bahn": Was bedeutet das?
Bruno Risi: „Ich sehe mich als verlängerter Arm des Sportlichen Leiters, bin erster Ansprechpartner für die Verantwortlichen, aber eben auch für die Fahrer, die Betreuer und Mechaniker, wenn es Probleme geben sollte. Man kann sagen, es ist so etwas wie der Mannschaftsführer bei einer Fußballmannschaft."
Was muss Deiner Ansicht nach ein guter Sechstage-Partner mitbringen?
Bruno Risi: „Jeder im Team muss für den Partner Verantwortung übernehmen. Man muss sich immer wieder bewusst machen, dass man nicht nur für sich selbst fährt und den anderen so gut es geht unterstützen. Mit Kurti hat das perfekt geklappt, da gab es ein blindes Verständnis. Aber auch mit Franco läuft es seit Jahren super."
Und wie klappt das, wenn zwei Alphatiere wie Erik Zabel und Du in einem Team fahren?
Bruno Risi: „Da war ich vorher schon etwas nervös und habe extra viel trainiert vor dem ersten Start mit ‚Ete'. Das Lustige war, dass Erik mir dann hinterher erzählt hat, dass der Respekt bei ihm genau so groß war und er ebenfalls Extraschichten eingelegt hatte. Es hat sich ausgezahlt, bei drei gemeinsamen Starts haben wir dreimal gewonnen."
Welche Rennen fährst Du in dieser Saison noch?
Bruno Risi: „Nur noch Bremen und Kopenhagen."
Sprechen wir über das leidige Thema Berlin. Dort wolltest Du eigentlich auch starten, hast aber abgesagt?
Bruno Risi: „Ja, das Verhalten der Berliner Veranstalter hat mich wirklich maßlos enttäuscht. Ich habe dort jahrelang mein Bestes gegeben, ich hätte mich gerne von den Fans verabschiedet."
Woran lag es, nur am Geld?
Bruno Risi: „Auch, aber nicht nur. Sie wollten mir etwas mehr als die Hälfte meiner Gage aus dem Vorjahr zahlen. Das ist schon hart, aber mich hat vor allem die Art und Weise gekränkt, wie sie mit mir umgegangen sind. Sie haben nie das persönliche Gespräch gesucht. Das war in Zürich zum Beispiel anders. Dot haben wir uns zusammengesetzt und sind zu einer Einigung gekommen. Auch dort habe ich auf 33 Prozent verzichtet, aber das war okay für mich."
Hast Du schon eine Ahnung, was Dich bei der Abschiedszeremonie in Bremen erwartet?
Bruno Risi: „Nein. Ich habe Hallensprecher Christian Stoll in Rotterdam getroffen. Aber er hat nur verschmitzt gelächelt und kein Sterbenswörtchen verraten."
Werden Tränen fließen?
Bruno Risi: „Bei mir wohl eher nicht. Ich bin ein emotionaler Mensch, aber nicht sentimental. Ganz anders ist das allerdings, wenn ich sehe, dass bei anderen Tränen fließen. Als Gerd Dörich bei seinen Verabschiedungen jedes Mal wie ein Schlosshund geheult hat, musste ich auch weinen."
Danke für das Gespräch, viel Glück für das Rennen. Und jetzt kannst Du noch einen Gruß auf Schwyzerdütsch an die Bremer Fans loswerden.
Bruno Risi: „Auf Schwyzerdütsch oder in meinem Urner Dialekt?"
Ist das ein Unterschied?
Brunso Risi: „Oh ja."
Okay, leg los.
Brunso Risi: „Liäbi Bremer, fir all diä tollä Jahr, ychäri Understitzig, und die super Zyt hiä z' Bremä, mecht ich mich ganz härzlich bedankä!"










