Halbzeit in der Sechstage-Saison
31.12.2009

Ohne London, Dortmund, Mailand, Zuidlaaren, Cremona und Hasselt ging es in die Winterbahnsaison. Dafür war Apeldoorn kurz vor Weihnachten hinzu gekommen und London, Olympiastadt von 2012, soll möglicherweise im März noch zum Zuge kommen. Chefsprecher Christian Stoll ist bei allen anderen Rennen zwischen Bahn und Bande unterwegs gewesen.

Amsterdam (19. bis 24.10.2009): Auch das Team um UIV-Vize Frank Boele hatte es in der holländischen Heimat nicht mehr ganz so leicht. 20 Prozent der Sponsoren haben den „6-Daagse van Amsterdam" den Rücken gekehrt; die Zuschauer jedoch nicht. In der kleinen Halle von Sloten herrschte fast durchgehend dichtes Gedränge. Roger Kluge und Robert Bartko feierten wenige Tage nach Ihrer Madison-Europameisterschaft von Gent einen verdienten, deutschen Erfolg über Bruno Risi und Franko Marvulli (CH) sowie Danny Stam und Leif Lampater (NL/D). Iljo Keisse (B) saß erstmals wieder auf einem Wettkampf-Velo und wurde mit dem weiter erstarkten Kenny de Ketele (B) Vierter. Besonders erwähnenswert ist die Paarung Peter Schep/Theo Bos (NL): der lange Stylist Schep als idealtypischer Anfahrer für den Ex-Sprintweltmeister bei den Zeitfahren. Das kann noch ein richtig gutes Sechstagepaar werden (5. in Amsterdam).

Grenoble (28.10. bis 04.11.2009): Im „Stade de Glace" waren, erstmals ohne direkte Dortmunder Konkurrenz, die Paarungen naturgemäß besser besetzt. Risi hatte zwar verzichtet, wollte nicht anderen Grenoble-Stammfahrern den Platz wegnehmen, doch seine andere Hälfte, Franco Marvulli, konnte trotzdem Sixjourssieg Nummer 26 einfahren. Luke Roberts (AUS) war sein starkes Pendant. Leon van Bon (NL) holte mit Landsmann Jeff Vermeulen Silber, Iljo Keisse ließ sich mit Gianni Meersmann (beide BEL) Bronze umhängen. Grenoble war zudem das letzte Rennen vom „Tiger". Dimitri de Fauw † wurde mit Marc Hester (DK) guter 7, und nahm sich wenige Tage später das Leben: Depression. Der nach außen stets fröhliche Belgier hatte den Tod Isaac Galvez von Gent 2006 offenbar nicht verwunden. Ein weiterer schwerer Schlag für die internationale Sechstagefamilie allemal.

München (12. bis 17.11.2009): In der Olympiahalle scheinen endgültig die Lichter auszugehen. Statt der erhofften 64.000 Zuschauer zog es nach Angaben der Organisatoren nur 52.000 Besucher zu den bayerischen Sechstagen. Nach Beobachtung von Anwesenden waren es sogar noch weit weniger. Woran es lag? Sicher war eine Vielzahl von Gründen ausschlaggebend für den Niedergang der einst so stolzen inoffiziellen Weltmeisterschaft der Sechstagefahrer: zu hohe Preise, zu langes Programm, zu viele alternative Events in der Millionenstadt. Am Sport jedenfalls
kann es nicht gelegen haben. Der hatte Klasse, und brachte am Ende den neunten Sieg von Bruno Risi (mit Franco Marvulli, beide CH). Selbst die beiden Weltmeister Michael Mörkov und

Alex Rasmussen (DK) mussten sich im Finale dem Alpenexpress geschlagen geben. Stark: Lampater/Grasmann (beide D/3. Platz) Schlimm: Das Sturzpech von Robert Bartko, der danach auch noch Gent aufgeben musste.

Gent (24. bis 29.11.2009): Die Belgier haben auf die Halle im Citadellenpark Gent ein neues, blau illuminiertes Dach gesetzt. Von innen sieht der „Kuipke" jedoch immer noch aus wie eine überdimensionierte Frittenbude. Aber die Stimmung ist unübertroffen! Ein Sprecher ist eigentlich überflüssig. Die Flamen sehen sowieso alles, was auf der Piste passiert. Am Ende mussten sie bei allem Gebrüll den zweiten Platz ihres Idols Iljo Keisse an der Seite des deutschen Roger Kluges hinnehmen. Die Weltmeister Mörkov/Rasmussen waren ganze drei Punkte besser. Risi/Marvulli blieben auf Rang drei letztlich ohne Siegchance. Ansonsten war die Halle bis auf einen Abend tagtäglich ausverkauft. Beide Spitzenteams sammelten je rund 450 Punkte. Christian Stoll ist beeindruckt: „Das habe ich in 20 Jahren Sixdays noch nicht erlebt."

Zürich (15. bis 20.12.2009): Kompliment für Urs Freuler und Co.: Alles auf eine Karte gesetzt und gewonnen! Im vierten Anlauf nach der Wiederauflage 2006 haben sich die Sixjours im Hallenstadion endgültig etabliert. 22.000 Zuschauer gegenüber 17.000 zuletzt sprechen eine klare Sprache. Vor allem ist es den Veranstaltern offenbar gelungen, mehr VIP-Karten als Weihnachtsapero an die Kunden zu bringen. Außerdem gab es eine fulminante Show von Risi und vor allem für Risi. Bei seinem letzten Heimrennen gelangte der Uri-Stier an der Seite von Lokalmatador Franco Marvulli nicht nur zu seinem elften Heimerfolg, sondern während der vorletzten Etappe auch noch auf einen Königsthron. Überschrift: Simply the Best! Geschlagen geben mussten sich, freilich erst nach erbittertem Widerstand: Grasmann und Lampater bei ihrer bislang eindrucksvollsten gemeinsamen Vorstellung sowie Aeschbach und Marguet (CH). Christian Stoll wettet: „Marvulli/Marguet lautet die Zukunft bei der Schweizer Americaine!"

Apeldoorn (17. bis 22.12.2009): Trotz der starken Zürcher Konkurrenz konnte Sportchef Patrick Sercu ein im oberen Dritttel gleichwertiges Peleton verpflichten. Ein Glücksgriff des Belgiers: Die Entscheidung, wie einst in Antwerpen oder Stuttgart, Dreierteams auf der langen Piste kreiseln zu lassen. Noch ein Wort zur Austragungsstätte des UCI-Championats 2011. Die Radwelt wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Es ist eine unglaublich elegante Multifunktions-Halle, gelandet wie ein Ufo in der ostniederländischen Provinz: „Omnisport Apeldoorn". Drei Jahre soll es Dank des Sponsors Libema dort „Zesdaagse" geben. Da war das geringe Zuschauerinteresse (nie mehr als 1000 pro Abend) noch zu verkraften. Die, die am letzten Abend nicht da waren, verpassten eines der besten Finale der letzten Winter. Absolut faszinierend der Neunkampf, aus dem schließlich Leon van Bon, Robert Bartko und der junge Pim Ligthart (NL,D,NL) gegen Danny Stam, Peter Schep und Tim Veldt (alle NL) sowie Jens Mouris, Kenny de Ketele und Iljo Keisse (NL, Bel, Bel) als Fünf-Punkt-Sieger hervorgingen. Dreimal weit über 420 Punkte. Sehenswert war auch der Velowalk in der Mitte der Arena, so fuhren die Renner mitten durch das Publikum zur Piste. Eine richtig gute Idee.

 

Datum: 22.04.2010 23:53:58 Uhr

# Team RR Punkte
1 Marvulli & Risi 0 419
(Team Nehlsen)
2 Keisse & Bartko 0 411
(Team swb)
3 Grasmann & Lampater 2 329
(Team Radio Bremen)
4 Stam & van Bon 2 254
(Team Albert Voigt)
5 Müller & Beikirch 6 107
(Team Weser Kurier)
6 Mohs & Barth 8 228
(Team BM Invest)
7 Aeschbach & Marguet 8 206
(Team dentaltrade)
8 Kolesnikow & Schmidt 18 99
(Team Nordwest-Ticket)
9 Donadio & Hacecky 19 134
(Team Paul Mitchell)
10 Madsen & Hester 20 134
(Team Visit Hannover)
11 Blaha & Hochmann 23 81
(Team Friebel)
12 Bach & Siedler 29 96
(Team Tylö-Sauna)
RR = Runden Rückstand

Rundenrekordfahren

Sparda-Bank Hannover eG-Preis

Datum: 19.01.2010 22:07:13 Uhr

# Team Punkte
1.  Mohs & Barth (Team BM Invest) 10
2.  Marvulli & Risi (Team Nehlsen) 6
3.  Aeschbach & Marguet (Team dentaltrade) 5
4.  Bach & Siedler (Team Tylö-Sauna) 4
5.  Keisse & Bartko (Team swb) 4
6.  Madsen & Hester (Team Visit Hannover) 2
7.  Grasmann & Lampater (Team Radio Bremen) 0
8.  Donadio & Hacecky (Team Paul Mitchell) 0
9.  Stam & van Bon (Team Albert Voigt) 0
10.  Blaha & Hochmann (Team Friebel) 0
11.  Kolesnikow & Schmidt (Team Nordwest-Ticket) 0
12.  Müller & Beikirch (Team Weser Kurier) 0
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